/ kurzgeschichte

Als ich ertrank

Als ich ertrank, schien die Sonne. Der Wind rauschte sanft durch die Blätter, ließ die Bäume, die um den Weiher herum standen, leise kichern. Die Luft war kühl, angenehm, perfekt für diesen Anlass. Keine Wolke war am Himmel zu sehen, als ich meine Schuhe mitsamt Socken auszog und ins Wasser stieg.

Es war lauwarm, ich hätte darin schwimmen oder Steine flippen lassen können. Viele Nächte habe ich an diesem Weiher gesessen und nachgedacht. Ich habe ein kleines Feuer entfacht und einfach nur da gesessen, in die Flammen geblickt. Rückblickend wusste ich, dass diese Nächte das einzige waren woran ich mich geklammert hatte. Das einzige, was mir Ruhe gegeben hatte in diesem Schneesturm, den meine Eltern vor vielen Jahren begonnen hatten, vierzehn, um genau zu sein. Seit meiner Geburt habe ich gegen den Sturm gekämpft, viele Jahre überlebt, aber jetzt..

Ich erinnerte mich an die Geräusche, die der Garten gemacht hatte. Sie waren mir in den Jahren so vertraut geworden wie nichts anderes auf dieser Welt. Ich sprach nur noch wenig, wenn wir in die Stadt fuhren, um Besorgungen zu machen, oder bei Familienfesten. Wenn ich angesprochen wurde, konnte ich nicht umhin, die Person erst einmal anzustarren, während ich meine Gedanken zu dieser Person ordnete und mir die wenigen Sätze, die ich gleich sprechen würde, sorgsam auf meiner Zunge zurecht legte. Das muss für Zuschauer dieser seltsamen Szene befremdlich ausgesehen haben, doch ich lernte mit der Zeit, Fragen wie „Gehts dir etwa nicht gut?“ oder „Wo ist denn deine Mutter?“ mit einem tapferen Lächeln abzuspeisen und so allen Wissensdurst und geheucheltes Interesse zu stillen.