/ kurzgeschichte

Piraten!

Ich steuere das große Schiff langsam durch den Kanal, der noch vor wenigen Minuten ein mächtiger Strom war. Nun hängen von beiden Seiten Lianen in meine Sicht und klatschen immer weider an die Segel. In der ferne sind bereits Pistolenschüsse zu hören und langsam manifestieren sich aus dem Nebel die ersten Pfahlbauten, die ersten Ausläufer der Stadt.

Die Meute fängt an zu tuschenln und zu murren, doch als sich der Fluß teilt und ich das Steuerrad langsam nach links drehe, sind alle wieder mucksmäuschenstill. Nur das Wasser, das freudig über die Abwechslung den Bug umspielt und das Gekreische einiger Vögel in der Ferne ist zu hören. Wieder erklingen Schüsse.

Mittlerweile haben die ersten Hütten, die bewohnt scheinen, die alten verlassenen Piers des alten Hafens abgelöst, trotzdem regt sich nichts in ihrem Innern. In der Bermuda Wende, wie wir den kleinen Knick im Verlauf des Kanals getauft haben, da hier schon so manche Verfolgungsfahrt entschieden wurde, wo der Kanal für kurze Zeit breiter wird, sodass zwei Schiffe nebeneinander manövieren können, fangen die ersten mehrstöckigen Hütten an, in die Höhe zu wachsen.

Der Anblick entlockt meinen Männern ein breites, dreckiges Grinsen. Sie sind hungrig wie ein Rudel Wölfe und haben ihre Säbel und Pistolen lange nicht benutzt. Aber heute, am Tag des Großen Gottes des Meeres (welche Ironie), werden wir zuschlagen. Jeder prüft noch einmal die Schärfe seines Säbels und haut ein paar Kerben in die Reling, riecht an seinem Pulver, um zu prüfen, ob es nass geworden ist. Ein paar aufmunternd gemeinte Knurrer werden getauscht, dann spucken wir alle ins Wasser, ein Ritual, das uns schon oft Glück gebracht hat.

Da hat der Mann im Ausguck in der Ferne die Masten der Schiffe im neuen Hafen ausgemacht und ein paar Minuten später lassen wir die Planken für einen Raubzug nach Piratenart.