/ Kurzgeschichte

Mein Babylon

Ich kann nicht schlafen. Der Lärm der Stadt dringt zu mir herauf, zieht mich nach draußen. Die Matratze, auf der ich liege, fühlt sich hart an und bestätigt meine Schlaflosigkeit, meinen Wunsch, zu leben. Schlafen kann ich immer noch.

Ich ziehe mich an, schaue dabei durch die Glasfront hinaus in die Nacht, hinab auf die Straßen. Bunte Lichter quellen zu mir herauf, ich schlucke eine Pille, nehme den Fahrstuhl.

Der Hausflur ist dunkel, das Licht kommt von außen. Ich zünde mir eine Zigarette an und öffne die Tür. Vor mir explodiert das Licht, doch ich sehe nur kurz weg, bin daran gewöhnt, wende mich nach links und lasse mich treiben.

Farbfetzen ziehen an mir vorbei, bekannte Gesichter, Menschen, soweit das Auge reicht. Und weiter. Menschen, die trinken, die in die Leere starren, Geschäfte treiben, anderen die Fresse einhämmern, die auf offener Straße vergewaltigt werden.

Ich kenne sie alle, nicht persönlich, aber gut genug, um sie einschätzen zu können. Ich gleite zwischen ihnen hindurch, meinen Revolver in der Jackentasche, nur so kommt man hier durch.

So sehr mich die Menschen eben noch angezogen haben, so sehr stoßen sie mich jetzt ab, ich steuere zum Rand der Stadt, die ich liebevoll Babylon nenne.